Von Bildern und Tönen 

In genau zwei Wochen heisst es endlich wieder Bildrausch! Das gesamte Programm ist online, der Vorverkauf für alle Filmvorführungen ist gestartet und die ersten Bildrausch-Flaggen wehen in der Stadt. Im internationalen Wettbewerb stehen 13 Filme aus neun Ländern. Ihre Macherinnen und Macher feiern in Basel Schweizer Premiere und hoffen, sich am 25. Juni 2017 den Bildrausch-Ring der Filmkunst anstecken zu können.
Bildrausch richtet in einem Spezialprogramm die Scheinwerfer auf Terence Davies, der seine stilprägenden Werke persönlich vorstellen wird. Erinnerungen an das Nachkriegs-Liverpool der 1950er-Jahre und Literaturverfilmungen von wahrhaftiger Schönheit und Leidenschaft: Der britische Regisseur lässt die Gefühle seiner Figuren erahnen und begegnet der Verzweiflung, Einsamkeit und Schwere des Lebens mit Grazie. Die Hommage spannt den Bogen von seinen frühen, autobiografisch geprägten Werken The Terence Davies Trilogy und Distant Voices, Still Lives bis hin zu seinen kongenialen Literaturverfilmungen wie dem grossartigen Porträt der amerikanischen Dichterin Emily Dickinson in A Quiet Passion. Diese Schweizer Premiere ist zudem Teil des Wettbewerbs «Cutting Edge».

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Für Teresa Villaverde ist das Kino ein Ort der Provokation, der Irritation, ja der Rebellion. Ihre bildstarke, unkonventionelle und sehr weibliche Erzählweise, ihre waghalsigen Inszenierungen und ihr Balanceakt zwischen Betrachtung und Poesie fordern uns seit mehr als 25 Jahren heraus. Bildrausch lädt zur Gratwanderung mit der portugiesischen Regisseurin, die zu den kostbarsten Geheimtipps des cinéma d’auteur gehört. Das Spezialprogramm präsentiert mit Alex, Two Brothers, My Sister, The Mutants und Trance vier ihrer prägenden Spielfilme und spannt den Bogen vom portugiesischen Alltag im Kolonialkrieg der 1970er Jahre bis zur Gegenwart. Schonungslos, kunstvoll und mutig, wie auch ihr neustes Werk Colo, das zur offiziellen Selektion internationalen Wettbewerbs «Cutting Edge» gehört, aufs Neue beweist. Teresa Villaverde begleitet ihre Werke persönlich nach Basel.

In der Jury nehmen die Produzentin Ilse Hughan, die Cutterin Monika Willi und der Regisseur Lav Diaz Platz. Sein Name ist gleichbedeutend mit epischen Werken, die sich voller gestalterischer Weite, Kraft und Komplexität mit der jüngeren Geschichte seiner philippinischen Heimat beschäftigen. Für The Woman Who Left nahm er letztes Jahr den goldenen Löwen der Mostra internazionale d’arte cinematografica di Venezia entgegen. Bildrausch präsentiert die Schweizer Premiere dieses Kunstwerks in schwarz-weiss als Spezialvorführung.

Ein weiteres Special gilt dem preisgekrönten Spielfilm Insyriated von Philippe Van Leeuw. Sein packendes Kammerspiel über den Krieg in Syrien ist ein universelles, humanistisches Plädoyer von grosser Dringlichkeit. Bildrausch begleitet die Schweizer Premiere mit einer Podiumsdiskussion und einem Streaming von Silvered Water, Syria-Self Portrait von Ossama Mohammed, der mit Philippe Van Leeuw und Noëmi Landolt über die Chancen, Grenzen und Verantwortung in Erzählungen von Krieg und Terror diskutieren wird.

In weiteren Hommagen verbeugt sich das Festival vor Tony Conrads und Bill Violas Kunst. Tony Conrad war ein Hüne, im direkten wie im übertragenen Sinn. Das verrät schon ein kurzer Blick auf das überragende künstlerische Werk des US-amerikanischen Avantgardisten. Denn Conrad hat nicht nur Musikgeschichte geschrieben, sondern stellte die Paradigmen auch als experimenteller Filmemacher, Performance- und Videokünstler immer wieder auf den Kopf. Tyler Hubby ist dem Phänomen Tony Conrad in seinem dokumentarischen Regiedebüt Tony Conrad – Completely in the Present auf den Grund gegangen. Ausgehend von dieser 20 Jahre dauernden Recherche nähert sich Bildrausch dem US-amerikanischen Crossover-Künstler mit einem Videovortrag von Tabea Lurk, Filmvorführungen und einem Tribute-Konzert von Lary7 aus verschiedenen Perspektiven an.

Während 12 Jahren begleitet Gerald Fox den amerikanischen Videokünstler Bill Viola und dessen Frau und künstlerische Komplizin Kira Perron mit seiner 16mm-Kamera; 12 Jahre in denen das Paar um die Konzeption und Realisierung der Auftragsarbeiten «Martyrs» und «Mary» ringt, die in der Londoner St. Paul’s Cathedral dauerhaft installiert werden sollen. Violas Grundthemen, wie das Vergehen und Werden, Geburt, Tod und Transformation erhalten eine neue Dringlichkeit, als der Künstler während der Dreharbeiten schwer erkrankt. Bildrausch präsentiert Bill Viola: The Road to St. Paul’s als Sonntagsmatinée in Zusammenarbeit mit LE FIFA (Festival International du Film sur l’Art) in Montreal, dem grössten Filmfestival im Bereich Kunstfilm. Nach der Filmvorführung in Anwesenheit von Gerald Fox stillt ein Kurzfilmprogramm mit The Passing (1991) und The Reflecting Pool (1977-1979) die Sehnsucht nach der direkten Begegnung mit Violas Werk und widerspiegelt den künstlerischen Weg des Videopioniers. Einführung: Jasmin Sumpf, wissenschaftliche Mitarbeiterin Schaulager Basel.

Das Rahmenprogramm lädt neben vielen weiteren Events zum Weltuntergang im Schnelldurchlauf, zum hemmungslosen Filmkaraoke und zum Töggeliturnier in Cinemascope. Ab dem 21. Juni besetzt das bildgewaltige Kino den Basler Theaterplatz und rauscht im Stadtkino und im kult.kino atelier mit Ihnen durch Raum und Zeit!

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Daniel

Tausendsassa und verantwortlich für alles hinter BAZiD! Trinkt gerne guten Espresso und vermisst Berlin auch wenn er sich im Aargau und Basel langsam heimisch fühlt.

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