21.12. Das Pferd, Nacktdemonstrationen, Strassenschlachten & Züri brännt

Am 21. Dezember zeigt das Royal Baden Strassenschlachten, Nacktdemonstrationen, gelebte Autonomie. Die Achtzigerjahre Bewegung erschütterte das Establishment und forderte Leben, Raum, Geld und zwar subito. Das hatte die Schweiz vorher noch nie gesehen und veränderte Zürich tiefgreifend. Eingefangen wurde das Ganze vom Videoladen Zürich – einer aus dem Publizistischen und Soziologischen Institut entstandenen Gruppe, die 100 Stunden Bildmaterial zu einem mitreissenden Videopamphlet zusammenschnitt. Eine Mischung aus Dokumentation, Satire und Musik in einer schäbigen, schwarz-weissen Punk-Ästhetik. Sogar die alte Tante an der Falkenstrasse fand einige lobende Worte dafür.

 

Der Film

Züri brännt
Züri brännt

Schon während der Aufnahmen gab es Schwierigkeiten. Die Vorführung der Aufnahmen – ursprünglich für Forschungszwecke gedreht – wurde vom Erziehungsdirektor verboten, kurz nachdem ein neunminütiger Ausschnitt an der Vollversammlung der Bewegung gezeigt wurde. Das Verbot hatte aber bloss die Wirkung, dass sich viele Studierende mit der Achtzigerbewegung solidarisierten. Und nicht zu vergessen: der umstrittene Auftritt von «Herr und Frau Müller» im Staatsfernsehens, der bis heute als Lehrstück der Kommunikationsguerilla gilt.
Zusammen mit dem Basler Historiker Dominique Rudin zeigt royalSCANDALcinema ein radikal subjektives Zeitzeugnis, das nicht erklären will, sondern einfach nur sagt, wie es ist.
ZÜRI BRÄNNT


1980 döste Zürich bieder und brav vor sich hin. Das Nachtleben wurde knapp geduldet, war quasi tot, bis einige Bewegte alte Industriegebäude wie die Rote Fabrik besetzen und autonome Kulturzentren gründeten. Kulturgelder waren bloss für die elitären Betriebe wie das Opernhaus vorhanden, das für über 60 Millionen Franken saniert werden sollte. Während den Bauarbeiten wollte der Stadtrat die Stücke ausgerechnet in der Roten Fabrik aufführen. Als die Zürcher Jugend im Mai dagegen protestieren wollte, wurde sie von der Polizei rabiat vertrieben. Das Resultat: die Opernhauskrawalle. Die heftigsten Unruhen, die Zürich je erlebt hatte, und der Auftakt eines heissen Sommers voller politischen Aktionen.

Das Konzert

Das Pferd in der Tante Pinte
Das Pferd in der Tante Pinte

Nach dem Film Konzert: Das Pferd brachten den Sponti-Punk ins neue Jahrtausend. Nicht mit Fanfaren und Trompeten, sondern mit Drums, Keys und Synthies (und dem ominösen Schlauch). Punk ist tot und Das Pferd ruft zum Tanz auf seinem Grab. (kl. Anmerkung: Eingentlich sollte imGuzZiniHösli Punkrockarchäologie spielen, leider fallen sie unfallhalber aus. Die Veranstalter freuen sich um so mehr, mit das Pferd in so kurzer Zeit einen so tollen Ersatz gefunden zu haben.)

Royal Baden 2.0
Bahnhofstrasse 39, 5400 Baden AG

21. Dezember von 20:00 – 23:59

[Videoladen Zürich, 1980, D, 100 Minuten]
Einführung: Dominique Rudin (Historiker, Basel)

Daniel

Tausendsassa und verantwortlich für alles hinter BAZiD! Trinkt gerne guten Espresso und vermisst Berlin auch wenn er sich im Aargau und Basel langsam heimisch fühlt.

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